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Share economy - Interview mit Zoe Mayer

Zoe Mayer wurde 2014 als jüngste Stadträtin in der Geschichte des Karlsruher  Gemeinderats gewählt. Wir haben mit ihr über Sharing Economy gesprochen. Der Begriff Sharing Economy, beschreibt Modelle, die eine geteilte Nutzung von ganz oder teilweise ungenutzten Ressourcen ermöglichen: Weg vom Besitzen, hin zum Teilen.

 

Karlsruher Spendenradeln: Zoe, wo siehst du denn das größte Potential für Share economy?

Zoe Mayer: Derzeit wird in Karlsruhe besonders gerne im Hinblick auf Mobilität geteilt. So ist zum Beispiel das Carsharing in Karlsruhe ein Erfolgsprojekt, das in den kommenden Jahren sicher noch mehr Zulauf erhält. Ich sehe in Karlsruhe aber eigentlich in fast jedem Bereich noch große Potentiale. Vom Teilen von Grünflächen über einen geplanten Mitmachladen in der Oststadt, der Haushaltsgegenstände verleiht, ist in Karlsruhe fast alles möglich.

 

Karlsruher Spendenradeln: Welche Projekte und Initiativen gibt es denn in Karlsruhe?

Zoe Mayer: Es gibt wirklich schon viele Ansätze der Share-Economy in Karlsruhe. Diese alle aufzuzählen sprengt hier sicher den Rahmen. Einige Beispiele kann ich Dir trotzdem gerne nennen. Carsharing und Bikesharing, Bürgerprojekte wie die Büchertelefonzellen überall im Stadtgebiet und urban-gardening Projekte sind prominente Beispiele. Auch die Nachbarschaftsplattform nebenan.de hat in Karlsruhe bereits ein großes Netzwerk. Hier kann man beispielsweise alltägliche Dinge von Menschen aus der Umgebung ausleihen. Aus Karlsruhe stammen auch diverse Start-ups die sich mit dem Thema des Teilens außeinandersetzen. Zwei Karlsruher Projekte sind zum Beispiel store2Be und Sharewood-Forest. Die Plattform Sharewood-Forest dient zur Vermittlung privater Grundstücke für ein naturnahes Camping Erlebnis. Der Online-Marktplatz store2be ist eine Plattform, die temporäre Anmietung von Aktions- und Verkaufsflächen im stationären Handel ermöglicht. Ein anderer für Karlsruhe interessanter Ansatz ist das Projekt der Gartenpaten. Es vermittelt zwischen Menschen, die einen Garten oder eine Streuobstwiese zum Anbau von Obst und Gemüse nicht alleine bewirtschaften möchten oder können und gartenlosen Gartenfreunden mit ausreichend Freizeit oder den notwendigen Werkzeugen hierfür.

 

Karlsruher Spendenradeln: Viele Projekte basieren auf Digitalisierung und somit auf Aktionen und Initiativen von Privatpersonen und Startups. Was macht Karlsruhe, oder was kann denn die öffentliche Hand machen, um share economy zu fördern?

Zoe Mayer: Das kommt ganz auf das Projekt an. Bei Verkehrsprojekten wie dem Carsharing sind beispielsweise städtische Flächen für Parkplätze interessant. Für einige Projekte aus der Bevölkerung kann eine finanzielle Unterstützung notwendig sein. Für rein kommerzielle Projekte von privaten Anbietern ist meist das städtische Netzwerk interessant, um sinnvolle Projekte zu bewerben und bekannt zu machen.

 

Karlsruher Spendenradeln: Durch Teilen statt Besitzen können sich verknappende Ressourcen geschont werden. Welche Hindernisse (im Sinne von Einstellung) müssen denn überwunden werden, um Menschen weg vom Besitzen hin zum Teilen zu bewegen? Was hat sich da deiner Meinung nach in den letzten Jahren getan, gerade auch in Karlsruhe?

Zoe Mayer: Ich denke das erste Hindernis ist das im Kopf. Der eigene Besitz hat in unserer Gesellschaft in vielen Bereichen einen sehr hohen Stellenwert. Ich denke jedoch das Bewusstsein und die Freude am Teilen nimmt in unserer Gesellschaft zu. Eine zweite und sicher sehr maßgebliche Hürde ist mit Sicherheit die eigene Bequemlichkeit. Wenn Sharing-Angebote kompliziert oder weit weg sind, dann ist der eigene Besitz oft problemloser. Lokale und niederschwellige Angebote sind deshalb das A und O. Übers Internet ist das heute natürlich leichter geworden als früher.

 

Karlsruher Spendenradeln: Neben den vielen positiven Aspekten gibt es auch kritische Stimmen, die z.B. Auswirkungen wie die Verteuerung von Wohnraum durch AirBnB beobachten. Wie siehst du das?

Zoe Mayer: Ich denke AirBnB ist da schon ein besonderes Projekt. Es geht hier ja nicht nur ums Teilen, sondern auch um Zweckentfremdung. Teilen tue ich, wenn ich meine eigene Wohnung im Urlaub vermiete oder ein nicht immer ausgelastetes Gästezimmer verleihe. Zweckentfremdung findet dann statt,  wenn eine für Wohnraum gedachte Wohnung zur Ferienwohnung umgestaltet wird. Durch Teilen soll das Angebot und die Auslastung ja wachsen und nicht geringer werden.

 

Karlsruher Spendenradeln: Was verbindet dich persönlich mit dem Bereich Share economy?

Zoe Mayer: Ich teile und verleihe privat sehr gerne und bin immer offen dafür sharing-Angebote auszuprobieren.